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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 11:23 am 
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Joined: Fri Sep 18, 2009 1:49 pm
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Ich möchte hier einige Erinnerungen posten,
welche ich in den letzten Jahren im www gefunden,
gelesen und archiviert habe.

Weihnachtszeit - Zeit der Besinnung!

LG
Beate


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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 11:29 am 
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Joined: Fri Sep 18, 2009 1:49 pm
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Eine 1920 geborene Südburgenländerin erinnert sich, wie im Krieg
gespart werden musste:

Quote:
„[Alles warkleiner], Alles, ja. Von den Geschenken
angefangen bis zu den Christbäumen.Meistens war ja dann in jedem Haus – in
jeder Familie war irgendeiner eingerückt oder gefallen, das war dann ein trauriges
Fest. … Die Jugend hat die Familien mit Kindern betreut, wo die Väter eingerückt
waren. Zum Teil sind die betreut worden mit Spielzeug, mit selbstgebautem
Holzspielzeug und – soweit man’s gehabt hat mit ein bisserl Bäckereien…“




Eine 88jährige Zeitzeugin aus Pinkafeld erinnert:

Quote:
„Im Krieg hat man dann oft die Bauernchristbäume[gehabt] – das war
nur mit Lebkuchen und mit roten Äpfeln und mit roten Kerzen. Und während des Krieges,
wenn es möglich war, haben die Leute, die kleine Kinder gehabt haben,
die Schokolade selber gemacht – da hat es eigene Rezepte gegeben mit
so kleinen Schokoladeformen, mit Ceres und Kakao ist damals eine Schokolademasse
gerührt worden und eingewickelt worden. Zuletzt hat man den Würfelzucker,
wenn man einen gehabt hat, eingewickelt, oder gar nicht hinaufgehängt, sondern nur Äpfel.“



Burgenländische Widerstandskämpferin Hanna Sturm (1891–
1984)Schilderung der Weihnachtszeit im Konzentrationslager Ravensbrück:
Quote:
„Weihnachten – jedes Jahr, wenn das Fest naht, findet die Lagerleitung irgendeinen
Grund, um die Häftlinge mit drei Tagen Essensentzug zu bestrafen. Diesmal haben
sie es auf die jüdischen Häftlinge abgesehen. Für die ganzen Feiertage bekommen
sie weder Brot noch Mittagessen. … Am Heiligen Abend, als die Aufseherin zur
Weihnachtsfeier gegangen ist, sitzen die Kameradinnen müde und voll Trauer im
Block. ‚Wie lange noch’, fragen sie sich und manche Träne fließt in die gefalteten
Hände. Hanna hat mit Hilfe ihrer Kameradinnen den langen Tisch … festlich
geschmückt. … Unter dem Tisch ist eine kleine Tanne versteckt. … Die Tanne
haben die Kameradinnen aus Ästen, die Hanna gestohlen hat, zusammengefügt.“


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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 11:51 am 
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Joined: Fri Sep 18, 2009 1:49 pm
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Zwischenfall im Hürtgenwald am Heiligen Abend 1944,
mitten in der Ardennenschlacht...


von Fritz Vincken

Am Heiligen Abend 1944,mitten in der Ardennenschlacht,hatten Mutter und ich unerwartet Gäste.
Als es an diesem Weihnachtsabend an der Tür klopfte, ahnten Mutter und ich nichts von dem Wunder, das wir erleben sollten.
Ich war damals zwölf, und wir lebten in einem kleinen Häuschen in den Ardennen, nahe der deutsch-belgischen Grenze. Vater hatte das Häuschen vor dem Krieg benützt, wenn er an Wochenenden auf die Jagd ging; und als unsere Heimatstadt Aachen immer stärker unter Luftangriffen zu leiden hatte, schickte er uns dorthin. Ihn selbst hatte man in der sechs Kilometer entfernten Grenzstadt Monschau zum Luftschutzdienst eingezogen.
„In den Wäldern seid ihr sicher“, hatte er zu mir gesagt. „Pass gut auf Mutter auf. Du bist jetzt ein Mann“.
Aber vor einer Woche hatte Generalfeldmarschall von Rundstedt mit der letzten, verzweifelten deutschen Offensive dieses Krieges begonnen, und während ich jetzt zur Tür ging, tobte ringsum die Ardennenschlacht. Wir hörten unablässig das dumpfe Wummern der Geschütze, über unsere Köpfe dröhnten Flugzeuge hinweg, und des Nachts durchbrachen Scheinwerfer die Finsternis. Ganz in unserer Nähe kämpften und starben Tausende von deutschen und alliierten Soldaten.
Als es klopfte, blies Mutter rasch die Kerzen aus. Dann ging sie vor mir zur Tür und stieß sie auf. Draußen standen, vor dem gespenstischen Hintergrund der verschneiten Bäume, zwei Männer mit Stahlhelmen. Der eine redete Mutter in einer Sprache an, die wir nicht verstanden, und zeigte dabei auf einen dritten, der im Schnee lag. Sie begriff schneller als ich, dass es sich um Amerikaner handelte. Feinde!
Mutter stand, die Hand auf meiner Schulter, schweigend da, unfähig sich zu bewegen. Die Männer waren bewaffnet und hätten sich den Eintritt erzwingen können, aber sie rührten sich nicht und baten nur mit den Augen. Der Verwundete schien mehr tot als lebendig. „Kommt rein“, sagte Mutter schließlich. Die Soldaten trugen ihren Kameraden ins Haus und legten ihn auf mein Bett.
Keiner von ihnen sprach Deutsch. Mutter versuchte es mit Französisch, und in dieser Sprache konnte sich einer der Männer einigermaßen verständigen. Bevor Mutter sich des Verwundeten annahm, sagte sie zu mir: „Die Finger der beiden sind ganz steif. Zieh ihnen die Jacken und die Stiefel aus und bring einen Eimer Schnee herein“. Kurz darauf rieb ich ihnen die blaugefrorenen Füße mit Schnee ab.
Der Untersetzte, erfuhren wir, war Jim. Sein Freund, groß und schlank, hieß Robin. Harry, war der Verwundete, schlief jetzt auf meinem Bett, mit einem Gesicht so weiß wie draußen der Schnee. Sie hatten ihre Einheit verloren und irrten seit drei Tagen im Wald umher, auf der Suche nach den Amerikanern, auf der Hut vor den Deutschen. Sie waren unrasiert, sahen aber, ohne ihre schweren Mäntel, trotzdem aus wie große Jungen. Und so behandelte Mutter sie auch.
„Geh, hol Hermann“, sagte Mutter zu mir. „Und bring Kartoffeln mit“. Das war eine einschneidende Änderung in unserem Weihnachtsprogramm. Hermann war ein fetter Hahn (benannt nach Hermann Göring, für den Mutter nicht viel übrig hatte), den wir seit Wochen mästeten, in der Hoffnung, Vater werde Weihnachten zu Hause sein. Und als es uns vor einigen Stunden klar geworden war, dass er nicht kommen würde, hatte Mutter gemeint, Hermann solle noch ein paar Tage am Leben bleiben, für den Fall, dass Vater zu Neujahr kam. Nun hatte sie sich wieder anders besonnen. Hermann sollte jetzt gleich eine dringende Aufgabe erfüllen.
Während Jim und ich in der Küche halfen, kümmerte sich Robin um Harry, der einen Schuss in den Oberschenkel abbekommen hatte und fast verblutet war. Mutter riss ein Laken in Streifen zum Verbinden der Wunde.
Bald zog der verlockende Duft von gebratendem Hahn durch das Zimmer. Ich deckte gerade den Tisch, als es wieder klopfte. In der Erwartung, noch mehr verirrte Amerikaner zu sehen, öffnete ich ohne Zögern. Draußen standen vier Männer in Uniform, die mir nach fünf Jahren Krieg wohlvertraut waren: deutsche Soldaten - unsere! Ich war vor Schreck wie gelähmt. Trotz meiner Jugend kannte ich das Gesetz: Wer feindliche Soldaten beherbergt, begeht Landesverrat. Wir konnten alle erschossen werden! Mutter hatte auch Angst. Ihr Gesicht war weiß, aber sie trat hinaus und sagte ruhig: „Fröhliche Weihnachten!“ Die Soldaten wünschten ihr ebenfalls eine frohe Weihnacht.
„Wir haben unsere Einheit verloren und möchten gern bis Tagesanbruch warten“, erklärte der Anführer, ein Unteroffizier. „Können wir bei Ihnen bleiben?“ „Natürlich“, erwiderte Mutter mit der Ruhe der Verzweiflung. „Sie können auch eine gute, warme Mahlzeit haben und essen, solange etwas da ist.“ Die Soldaten lächelten, vergnügt den Duft schnuppernd, der ihnen durch die halboffene Tür entgegenschlug. „Aber“, fuhr Mutter energisch fort, „wir haben noch drei Gäste hier, die Sie vielleicht nicht als Freunde ansehen werden.“ Ihre Stimme war mit einemmal so streng, wie ich sie noch nie gehört hatte. „Heute ist Heiliger Abend, und hier wird nicht geschossen.“ „Wer ist drin?“ fragte der Unteroffizier barsch. „Amerikaner?“
Mutter sah jedem einzelnen in das frosterstarrte Gesicht. „Hört mal“, sagte sie langsam. „Ihr könntet meine Söhne sein, und die da drin auch. Einer von ihnen ist verwundet, und ringt um sein Leben. Und seine beiden Kameraden: verirrt und hungrig und müde wie ihr. In dieser Nacht“, sie sprach jetzt zu dem Unteroffizier und hob die Stimme, „In dieser Heiligen Nacht denken wir nicht an Töten!“ Der Unteroffizier starrte sie an. Für zwei, drei endlose Sekunden herrschte Schweigen. Dann machte Mutter der Ungewissheit ein Ende. „Genug geredet!“ sagte sie und klatschte in die Hände. „Legen Sie Ihre Waffen da auf das Holz und machen Sie schnell, sonst essen die anderen alles auf.“
Die vier Soldaten legten wie benommen Ihre Waffen auf die Kiste mit Feuerholz im Gang: zwei Pistolen, drei Karabiner, ein leichtes MG und zwei Panzerfäuste. Mutter sprach indessen hastig mit Jim auf Französisch. Er sagte etwas auf Englisch, und ich sah verwundert, wie auch die Amerikaner Mutter ihre Waffen gaben. Als nun die Deutschen und die Amerikaner Schulter an Schulter verlegen in der kleinen Stube standen, war Mutter in ihrem Element. Lächelnd suchte sie für jeden einen Sitzplatz. Wir hatten nur drei Stühle, aber Mutters Bett war groß. Dorthin setzte sie zwei der später Gekommenen neben Jim und Robin.
Dann machte sie sich, ohne von der gespannten Atmosphäre Notiz zu nehmen, wieder ans Kochen. Aber Hermann wurde ja nun nicht mehr größer, und wir hatten vier Esser mehr. „Rasch“, flüsterte sie mir zu, „hole noch ein paar Kartoffeln und etwas Haferflocken. Die Jungen haben Hunger, und wenn einem der Magen knurrt, ist man reizbar“.
Während ich die Vorratskammer plünderte, hörte ich Harry stöhnen. Als ich zurückkam, hatte einer der Deutschen eine Brille aufgesetzt und beugte sich über die Wunde des Amerikaners. „Sind Sie Sanitäter?“ fragte Mutter. „Nein“, erwiderte er. aber ich habe bis vor wenigen Monaten in Heidelberg Medizin studiert.“ Dann erklärte er den Amerikanern in, wie mir schien, recht fließendem Englisch, Harrys Wunde sei dank der Kälte nicht infiziert. „Er hat nur sehr viel Blut verloren“, sagte er zu Mutter. „Er braucht jetzt einfach Ruhe und kräftiges Essen“.
Der Druck begann zu weichen. Selbst mir kamen die Soldaten, als sie so nebeneinander saßen, alle noch sehr jung vor. Heinz und Willi, beide aus Köln, waren sechzehn. Der Unteroffizier war mit seinen Dreiundzwanzig der Älteste. Er brachte aus seinem Brotbeutel eine Flasche Rotwein zum Vorschein und Heinz fand seinen Laib Schwarzbrot, den Mutter in Scheiben schnitt. Sie sollten zum Essen auf den Tisch kommen. von dem Wein aber stellte sie einen Rest beiseite: „Für die Verwundeten“.
Dann sprach Mutter das Tischgebet. Ich sah, dass sie Tränen in den Augen hatte, als sie die vertrauten Worte sprach: „Komm, Herr Jesu, sei unser Gast....“ Und als ich mich in der Tischrunde umsah, waren auch die Augen der kriegsmüden Soldaten feucht. Sie waren wieder Buben, die einen aus Amerika, die anderen aus Deutschland, alle fern von zu Haus.
Gegen Mitternacht ging Mutter zur Tür und forderte uns auf, mitzukommen und den Stern von Bethlehem anzusehen. Bis auf Harry, der friedlich schlief, standen wir alle neben ihr, und für jeden war in diesem Augenblick der Stille und im Augenblick des Sirius, des hellsten Sterns am Himmel, der Krieg sehr fern und fast vergessen.
Unser privater Waffenstillstand hielt auch am nächsten Morgen an. Harry erwachte, verschlafen brummelnd, in den letzten Nachtstunden, und Mutter flößte ihm etwas Brühe ein. Bei Tagesanbruch war er dann sichtlich kräftiger. Mutter quirlte ihm aus unserem einzigen Ei, dem Rest Rotwein und etwas Zucker einen stärkenden Trank. Wir anderen aßen Haferflocken. Dann wurde aus zwei Stöcken und Mutters bestem Tischtuch eine Tragbare für Harry gemacht.
Der Unteroffizier zeigte den Amerikanern, über Jims Karte gebeugt, wie sie zu ihrer Truppe zurückfinden konnten. In diesem Stadium des Bewegungskrieges erwiesen sich die Deutschen als überraschend gut informiert. Er legte den Finger auf einen Bach. „Da geht ihr lang“, sagte er. „Am Oberlauf trefft ihr auf die 1. Armee, die sich dort neu formiert“. Der Mediziner übersetzte ins Englische. „Weshalb nicht nach Monschau?“ fragte Jim. „Um Himmels willen, nein!“ rief der Unteroffizier. „Monschau haben wir wieder genommen“.
Mutter gab nun allen ihre Waffen zurück. „Seid vorsichtig, Jungens“, sagte sie. „Ich wünsche mir, dass ihr eines Tages dahin zurückkehrt , wo ihr hingehört, nach Hause. Gott beschütze euch alle!“ Die Deutschen und Amerikaner gaben einander die Hand, und wir sahen ihnen nach, bis sie in entgegengesetzter Richtung verschwunden waren.
Als ich wieder ins Haus trat, hatte Mutter die alte Familienbibel hervorgeholt. Ich sah ihr über die Schulter. Das Buch war bei der Weihnachtsgeschichte aufgeschlagen, bei dem Bericht von der Geburt in der Krippe und den drei Weisen, die von weither kamen, um ihre Geschenke darzubringen. Ihr Finger glitt über die Zeile: „....und sie zogen über einen anderen Weg wieder in ihr Land“.


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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 11:58 am 
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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 12:44 pm 
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Der Kriegsweihnachtsmann

von Friedrich Göhrs

Kurz vor Weihnachten 1942 störte mich mein Vater bei den Schularbeiten. Er sagte: „Ich habe ein besonderes Anliegen an dich!“

Ich war 16 Jahre alt. Wenn er so sprach und nicht gleich befahl, war das verdächtig. „Was soll ich tun?“
„Ich möchte das du Weihnachtsmann spielst.“
„Ich möchte es aber nicht.“
„Du wirst es aber. Die Frauenschaft hat im ehemaligen Arbeitsdienstlager einen Kindergarten eingerichtet, in den jetzt manche Kinder gehen, die ihren Vater verloren haben.“
„Ich mag keinen roten Flattermantel, keinen Wattebart und auch keine rote Kasperlemütze auf dem Kopf.“
Vater lächelte: „Du wirst aber einen richtigen Kriegsweihnachtsmann spielen.“
„Was, einen Kriegsweihnachtsmann?“
„Oben liegt ein grauer gesteppter Soldatenmantel aus dem Weltkrieg. Mutter wird ihn dir zurecht machen.“

So geschah es. Mutter säumte den Mantel mit Pelzstreifen und Vater befestigte goldblecherne Sterne daran. Ich durfte meine neuen, aus Frankreich importierten Stiefel anziehen, darüber Ledergamaschen, die noch im Stall lagen. Sie stammten auch aus dem Weltkrieg. Die Mütze hatte allerdings etwas Orientalisches. Sie war ein bunter Kaffeewärmer, an den Mutter innen Hanfhaare befestigt hatte. Aus Hanf war auch der Bart. Ich bastelte mir ein goldenes Rohr, mit dem ich in die Herzen der Kinder gucken wollte. Ich hatte mir für die Weihnachtsfeier einige Späße ausgedacht und freute mich schon darauf.

Im Kindergarten hatten die Frauen fleißig mit den Kindern Weihnachtslieder und offenbar ihr Verhalten eingeübt. Als ich den Raum betrat, mußten sie aufstehen, sich gerade hinstellen und ein Weihnachtslied vorsingen. Ich wollte die Kinder für ihren Gesang loben. Aber schon mußte ein Kind ein Gedicht aufsagen, dann ein anderes Kind sich mit einem Gedicht quälen, dann noch ein Lied, und dann endlich durfte der Weihnachtsmann.....

Nein, er durfte nicht. Er sollte aus einem großen Buch, das er angeblich im Flur gefunden hatte, die kleinen Vergehen der Kinder vortragen und diese zu besserem Betragen auffordern. Sonst gab es keine Geschenke. Ich las und schüttelte nur den Kopf: „Oh,oh! Na, na. Sowas!“ Ich überlegt ob ich den Kindern wirklich vorenthalten sollte, daß sie nicht gut gegessen hatten, sich manchmal zankten, einer beim wilden Spielen mal in die Hose gepinkelt hatte, ein anderer Kraftausdrücke benutzte. Doch als ich den bärtigen Kopf hob, fing schon ein kleines hageres Mädchen heftig an zu weinen an. Selbst der mollige, freche Wolfgang, den ich kannte, machte ein ängstliches Gesicht. Da schlug ich das Buch zu und behauptete, daß ja nur Gutes über die Kinder darin stünde, freute mich und wollte nun auch das kleine Mädchen aufmuntern. Daß man nicht immer artig sein konnte, wußte „der Weihnachtsmann“ nur zu gut.. Hauptsache, sie wollten sich bessern.

Ja, das wollten sie. Aber das kleine Mädchen weinte immer noch. Ich ging scherzend zu ihm hin, um es etwas zu kitzeln. Da lachte es durch dicke Tränen. Aber dann machte ich einen großen Fehler: Ich fragte die Kleine nach ihrem Weihnachtswunsch. Sie flüsterte mir ins Ohr: „Eine schöne Puppe.“ Die würde sie bekommen, versprach ich ihr. Ach, wie sie sich freute! Anschließend sangen die Kinder noch zwei Lieder, darunter auch „O, du fröhliche....“ Dann durfte „der Weihnachtsmann“ gehen.

Ich war unzufrieden. Das war keine sehr fröhliche Weihnachtsfeier. Und das weinende Lenchen? Wie konnte der Weihnachtsmann ihr eine Puppe versprechen? Ihr Vater war gefallen. Die Mutter konnte sicher keine kaufen. Schöne Puppen gab es ohnehin kaum noch. Ich überredete meine Zwillingsschwester- sie war eine Leseratte- und sie gab für etliche Bücher einer ihrer schönsten Puppen her und ihre Puppenwiege dazu, die ich auffrischte und am Heiligen Abend dem Lenchen brachte.

Drei Jahre später bin ich heimgekehrt als Kriegsversehrter und Lungenkranker. Da hat die Mutter ihr Lenchen losgeschickt, damit sie mir zwei Eier vor die Haustür legen sollte. Das war der Beginn einer Rettungsaktion für mich, den TBC-Kranken. Viele Monate lang lag immer wieder Eßbares vor der Küchentür: mal zwei Eier, mal ein Kännchen mit Milch, dann ein Ende Wurst, auch ein Stück Brot. Es war im Hungerjahr 1946. Vielleicht haben diese Gaben dem „kranken Weihnachtsmann“ zur Genesung verholfen. Ich glaube es heute noch.


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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 12:49 pm 
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Joined: Fri Sep 18, 2009 1:49 pm
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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 12:58 pm 
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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 1:42 pm 
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Joined: Fri Sep 24, 2010 9:54 pm
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Sehr interessante Geschichten Beate....Dankeschön.

Marco

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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 2:55 pm 
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Grüß Gott Kameraden,

Sind hier einige Kriegsweihnachtseinzelteile von meiner Ansammlung.

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Dort, wo der Adler haust!
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Kompanie Chef
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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 3:25 pm 
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Joined: Fri Sep 24, 2010 9:54 pm
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Sehr schöne Sachen Papa.......am besten gefällt mir die letzte Karte :D .

Very nice stuff Papa.....mostly I like the last card :D .

Horrido
Marco

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PostPosted: Sun Dec 05, 2010 5:26 pm 
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Joined: Fri Sep 18, 2009 1:49 pm
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Danke Heeresbergführer für das Einstellen der Bilder.
Der "russische Winterwunschtaum" hat es mir auch
angetan.

Vielleicht kommt dieser "Schneeball" den ich hier eingeworfen
habe ja noch richtig ins rollen und der Eine oder Andere
findet auch noch Etwas unter seinen Schätzchen bezüglich
Thema "Kriegsweihnacht".

Liebe Grüße,
Beate


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PostPosted: Mon Dec 06, 2010 9:08 am 
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Joined: Fri Apr 16, 2010 1:47 pm
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Hallo Beate,

sehr interessanter Thread, danke Dir!

Grüsse
Lars


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